Neues Feature: Der Berg, den es nie gab
Meine Uhr ging im Brunnen baden und erfand dabei rund 100 Höhenmeter. obseed korrigiert solche Ausreisser jetzt automatisch – auch in deinen alten Sessions.

Ich machte während einer Session eine Pause an einem Brunnen. Die Uhr kam dabei unter Wasser. Nichts Spektakuläres. Bis ich später die Höhenkurve öffnete und dort einen Abgrund sah, den es auf der Strecke ganz sicher nicht gegeben hatte.
Für ungefähr 30 Sekunden fiel die gemessene Höhe von rund 622 auf 521 Meter und sprang danach wieder zurück. Meine Uhr hatte mir also mitten in einer ziemlich flachen Passage zuerst einen Abstieg von rund 100 Metern und direkt danach denselben Anstieg geschenkt.
Das war kein Hügel.
Meine Uhr taucht ab. Die Höhenkurve auch.

Vorher: Die barometrisch gemessene Höhe gerät sichtbar aus dem Tritt. Der Brunnen macht aus einer Pause einen Berglauf.
Der Höhenmesser in vielen Sportuhren arbeitet barometrisch. Er leitet die Höhe aus dem Luftdruck ab. Das funktioniert draussen erstaunlich gut, solange der Druck tatsächlich aus der Luft kommt. Unter Wasser misst der Sensor plötzlich Wasserdruck. Die Uhr kann nicht wissen, dass ich sie gerade in einen Brunnen halte. Sie sieht nur mehr Druck und rechnet daraus: tiefer.
Viel tiefer.
Das Problem war grösser als die Grafik
Die kaputte Linie war nur das sichtbare Symptom. Vor der Korrektur meldete die Session 213,1 Meter Aufstieg und 215,2 Meter Abstieg. Rund 100 Meter in jede Richtung stammten allein aus dieser halben Minute am Brunnen.
Damit ging die Sache richtig aus dem Ruder. Der Fehler landete im Minimum, Maximum und Durchschnitt der Höhe. Er beeinflusste die Steigung, die summierten Höhenmeter und sogar die Performance-Distanz, mit der obseed anspruchsvolle Strecken vergleichbar macht. Eine nasse Uhr konnte also aus einer normalen Session auf dem Papier eine deutlich härtere machen.
Das wollte ich nicht einfach im Chart übermalen. Denn die Zahlen darunter wären weiterhin falsch geblieben. Eine Korrektur muss an der Datenbasis ansetzen und danach alle abhängigen Werte neu berechnen.
Korrigieren heisst nicht glattbügeln
Der naheliegende Ansatz wäre, jeden starken Ausschlag zu löschen. Nur: Ein steiler Anstieg ist nicht automatisch ein Messfehler. Wer eine Treppe hochrennt, einen kurzen Stich fährt oder sich auf einem technisch schwierigen Trail bewegt, produziert echte, schnelle Höhenänderungen. Genau die sollen erhalten bleiben.
Der springende Punkt ist deshalb nicht, ob eine Linie unruhig aussieht. Entscheidend ist, ob die Höhenänderung zur zurückgelegten Distanz, zur Zeit und zum restlichen Streckenverlauf passt. Wir müssen einen Brunnen erkennen, ohne dabei einen echten Berg wegzurechnen.
Auch die Aufzeichnungsrate darf das Resultat nicht verändern. Eine Uhr speichert vielleicht alle 3 Sekunden einen Punkt, eine andere nur alle 12 Sekunden. Eine frühere Variante unserer neuen Berechnung glättete über eine feste Anzahl Punkte. Das sah zuerst vernünftig aus, bedeutete aber je nach Gerät entweder 15 oder 60 Sekunden. Gleiche Strecke, andere Höhenmeter. Das geht natürlich nicht.
Heute glätten wir deshalb über die tatsächlich zurückgelegte Distanz. Anstiege und Abfahrten werden erst übernommen, wenn sie sich im Verlauf bestätigen. So bleibt dieselbe Route dieselbe Route, egal wie oft die Uhr einen Trackpoint schreibt.
Zwei Sicherheitsnetze
Die automatische Höhenkorrektur ist als Produktfunktion zurück. Technisch haben wir sie jedoch nicht bloss wieder eingeschaltet. Der koordinatenbasierte Weg, den wir 2024 vorbereitet hatten, war nie vollständig verdrahtet. Und die frühere Verarbeitung war darauf angewiesen, dass eine Datenquelle bereits eine brauchbare korrigierte Höhe mitlieferte.
Dieses Mal haben wir die Sache von Grund auf fertig gebaut.
Das erste Sicherheitsnetz nutzt die GPS-Koordinaten der Session. Für jeden Streckenabschnitt ermittelt obseed eine unabhängige Geländehöhe und baut daraus eine zusammenhängende, korrigierte Höhenkurve. Bereits abgefragte Koordinaten werden wiederverwendet. Gute, von einer Quelle gelieferte Korrekturdaten überschreiben wir dabei nicht blind.
Das zweite Sicherheitsnetz prüft die vertikale Geschwindigkeit. Ein Sprung von rund 100 Metern in wenigen Sekunden ist für eine Sport-Session physikalisch nicht plausibel. Dieser Schutz arbeitet unabhängig von der Geländehöhe und greift deshalb auch dann, wenn keine Koordinatenkorrektur verfügbar ist.
Doppelt hält besser. Hier ganz besonders.

Nachher: dieselbe Session, dieselben GPS-Daten, aber eine zusammenhängende Höhenkurve. Aus 213,1 Metern Aufstieg werden plausible 110,7 Meter.
Nach der Korrektur bleiben 110,7 Meter Aufstieg und 119,6 Meter Abstieg. Die Differenz zur gemessenen Kurve entspricht ziemlich genau dem erfundenen Abgrund samt Gegenanstieg. Gleichzeitig bleibt das echte Profil der Strecke sichtbar. Genau so soll es sein.
Die alten Sessions kommen mit
Wie bei unseren grösseren Datenverbesserungen gilt die Korrektur nicht nur für alles, was ab heute neu importiert wird. Wir haben auch die bestehenden GPS-Sessions im Hintergrund neu verarbeitet. Kein erneuter Upload. Kein Neuimport. Kein Knopf, den man zuerst finden muss.
Öffnest du eine ältere Session mit GPS, stehen dort bereits die neu berechneten Höhenwerte. Fehlen Positionsdaten, können wir naturgemäss keine Geländehöhe zuordnen. Der unabhängige Plausibilitätscheck schützt aber auch solche Aufzeichnungen vor unmöglichen vertikalen Sprüngen.
Das ist wichtig. Datenqualität sollte nicht vom Datum abhängen, an dem wir einen besseren Weg gefunden haben. Wenn wir die Grundlage verbessern können, sollen auch die alten Auswertungen davon profitieren.
Kein neuer Berg im Brunnen
Ich mag Features, die nach dem ersten Aha-Moment wieder in den Hintergrund verschwinden. Die Höhenkorrektur ist genau so eines. Man muss nichts konfigurieren und keine zweite Kurve verstehen. Die Session stimmt einfach besser.
Meine Uhr darf beim nächsten Brunnenstopp wieder baden gehen. Abkühlen ist erlaubt. Einen Berg erfinden nicht.
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